BASTARD ASS (I) PLOTS ON
von Florian Schiel
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B.A.P.O. |
WARNUNG:
Jede Kolumne muß früher oder später die Antworten auf die ganz großen
Fragen des Lebens geben (wozu sollte man sich sonst der Mühe unterziehen,
jede Woche 400 Wörter zu lesen wo es doch StarTrek im Fernsehen gibt?).
Kant saß also ein Leben lang in Königsberg auf seinem LEERstuhl und hat
sich gefragt: 'Was können wir wissen?'
Je nach Aufwand so ziemlich alles. Die meisten Passwörter lassen sich
knacken, Mailboxen sind sowieso ein mehr oder weniger offenes Buch und dank
Bill Gates werden immer mehr Daten auf immer mehr quasi öffentlichen
Rechnern (Windoofs eben) gespeichert. Früher (zu Kants Zeiten) war das
natürlich anders; da konnte man geheime Unterlagen noch einfach wegsperren,
nicht wahr? Ein Sicherheitsbeauftragter in den USA hat es mal so
formuliert: "Ein sicherer Rechner steht heutzutage in einem schweizer
Kellersafe, ist ausgeschaltet, der Safe hat weder Netzzugang noch
Stromversorgung und meine Schwiegermutter hält mit dem Nudelholz Wache vor
der Kellertüre... Und selbst dann würde ich für die Sicherheit der Daten
nicht garantieren..." 'Was sollen wir tun?'
Einfach: soviel Geld wie möglich ausgeben, wobei die Quellen ziemlich egal
sind. Entgegen allem Gedöns verschiedener Moralaposteln, Gurus, Lamas,
Päpsten etc. korreliert immer noch der Cash-Flow am meisten mit dem
Lustgewinn. Wer was anderes sagt, hat entweder zu wenig Knete, um mitreden
zu können, oder kann von Geburt aus nicht damit umgehen... 'Was dürfen wir glauben?'
Schon kniffliger. Instinktiv hätte ich sofort gesagt: Gar nix!
Kommen wir jetzt lieber mal zu den wirklich schwierigen letzten Fragen, die
uns allen unter den Nägeln brennen: 'Warum spielt Marianne Posaune?'
Ich meine, sie ist ja ein ganz hübsches Mädchen, mit einer tollen Figur und
so. Sie spielt in keiner Band und auch nicht im Sinfonie-Orchester des
bayerischen Rundfunks. Warum also versucht sie, so ein mauerbrechendes
Lärminstrument zu beherrschen? 'Warum hat Frau Bezelmann einen schwarzen Raben?'
Eine schwarze Katze wäre zu stereotyp... 'Warum bevorzugt der Kollege O. lila Reizwäsche?'
Keine Ahnung! Ich kann auch nicht alles wissen! Z.B. weiß ich auch nicht
Frau Bezelmanns wahres Alter! Versuch es mal bei Sethimus Typhon in der
R.K.f.H.
Noch eine letzte Frage, aber dann ist Schluß für heute... 'Was für einen Computer soll ich mir zulegen?'
Gute Frage! Eine der wichtigsten existentiellen Fragen des ausgehenden
Jahrtausends! Die Wahl des richtigen Computers oder des richtigen
Betriebssystems kann dein ganzes Lebensschicksal beeinflussen. Bisher ging
man immer davon aus, daß bestimmte Computer von bestimmten
Charakter-Archetypen bevorzugt würden. Nicht könnte falscher sein! Es sind
natürlich die Computer selber bzw. auch die darauf ablaufende Software, die
den Charakter des Benutzers entsprechend formen!
Der 'homo macintoshi' wandelt sich im Laufe der Zeit zwangsläufig zum
Techno-Ästheten, der sich gerne mit einem schwachen Dunst der
Andersartigkeit umgibt. Form ist ihm meist wichtiger als Inhalt, und er
pflegt einen gesunden Snobismus, der ihm das Leben angenehmer macht. Er
bevorzugt ein einfaches, klares Design, und Aufgaben, die sich nicht mit
einer Maustaste erledigen lassen, sich für ihn 'mangelhaft durchdacht'. Der
Macintosh-Charakter hält es für normal, wenn man für das äußere
Erscheinungsbild einer Telefonzelle fünfmal mehr Zeit investiert, als für
den eigentlichen Telefonapparat. Sein 'worst-case-scenario' wäre der
Aufkauf von Apple durch Bill Gates, und sein Paarungsverhalten ist
spezifisch auf andere Macintosh-Benutzer ausgerichtet.
Der 'homo linux' ist in vielerlei Hinsicht ein Extremist. Er will sein
Leben vollkommen unter Kontrolle haben und sich alle Optionen bis ins
letzte Detail offen halten. In vielen Fällen ist er das verkannte Genie,
das nach einem langen verbissenen Leidensweg über die ignorante Masse
triumphiert (oder auch nicht). Funktionalität und Effektivität bilden die
höchsten Prinzipien, oft gepaart mit unangenehmen missionarischem Eifer und
einer geradezu faustischen Verbissenheit. Da ihn seine Umgebung oft nicht
versteht, lebt er zurückgezogen und lichtscheu als Eigenbrötler. In seinem
Arbeitsleben hat er fast immer mit anderen UNIX-Derivaten zu tun. Sein
'worst-case-scenario' ist die Umwandlung von MS-Formaten in eine brauchbare
Form. Sein Paarungsverhalten ist einfach: er hat keines.
Der 'homo microsoftis' entwickelt sich nach einigen Jahren zum typischen
Fatalisten mit einer schwachen Neigung zum Masochismus. Er erträgt es mit
mehr oder weniger stoischer Ruhe, den ganzen Tag mit mystischen
Schicksalsschlägen (Fehlermeldungen) und Katastrophen (Systemabstürzen)
konfrontiert zu werden. Er hat das unerschütterliche Gottvertrauen, daß
alle Widrigkeiten seines Lebens mit dem nächsten Upgrade beseitigt würden,
auch wenn die Erfahrung der letzten 10 Jahre gezeigt hat, daß auf jeden
beseitigten Fehler 23,8 neue Bugs hinzukommen. Er muß ein kindliches Gemüt
haben, weil er sich an 'Neuerungen' erfreuen kann, die in anderen
Betriebssystemen schon vor 15 Jahren eingeführt wurden, und er verfügt über
etwas, das sonst in unserer schnell-lebigen Zeit absolute Mangelware zu
sein scheint: unbegrenzte Zeit. Ich habe MS-User erlebt, denen es nach
viereinhalb (4 1/2) Stunden gelungen war, eine Quadratwurzel in ihren Text
einzufügen, und es fertigbrachten, dies auch noch als Erfolgserlebnis zu
verbuchen. MS-Benutzer versuchen in den seltensten Fällen, den Dingen auf
den Grund zu gehen, sondern vertrauen in allen auswegslosen
Lebenssituationen auf die 'Ausschalten-Einschalten-Methode'. Das
'worst-case-scenario' des 'homo microsoftis' gibt es nicht mehr, seitdem er
ständig darin leben muß; sein Paarungsverhalten ist unspezifisch.
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