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BASTARD ASS (I) GOES OVERSEAS
von Florian Schiel
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B.A.g.O. |
Bastard Ass(i) goes Overseas 29
Ausnahmsweise scheint heute mal die Sonne Ich nütze die seltene
Gelegenheit meinen angeschlagenen kalifornischen Teint aufzufrischen und
setze mich mit der neuesten Ausgabe von 'Hacker's Havoc' auf dem Dach
ins Freie. Falls mich unten jemand vermissen sollte, steht er halt vor
verschlossener Türe mit dem Schild: 'DO NOT DISTURB - MEN AT WORK!'
Für die ganz Mißtrauischen (die versuchen durchs Schlüsselloch zu
spitzen oder an der Türfüllung lauschen) produziert meine Workstation
über Lautsprecher heftige Tastaturgeräusche, und auf dem Bildschirm
erscheint mein Kopf als schwarze Silhouette vor der normalen Oberfläche
(neuer Bildschirmschoner für streßgeplagte Systemadministratoren; Patent
bereits angemeldet).
Ich blättere um: den Preis für die dümmste und kostspieligste Aktion
des Monats haben schon wieder die Deutschen gewonnen. Diesmal ist es die
'Krankenhaus-Notopfer-Eintreibung'. Der Journalist zählt genüßlich auf,
was die Eintreibung von 20 Mark per Post und Banküberweisung von jedem
Versicherten kosten wird; nach seiner Rechnung müssen die Krankenkassen
sogar noch draufzahlen. Ganz zu schweigen davon, daß die meisten Leute
sowieso nicht zahlen werden, seitdem irgendein Superhirn öffentlich im
TV gesagt hat, daß säumige Zahler "aus Kostengründen" nicht belangt
werden können. Da hat die Welt mal wieder was zu lachen! In der letzten
Ausgabe war es der Elch-Mercedes, und davor... weiß ich nicht mehr; aber
auf jeden Fall auch etwas Deutsches. Achso, doch! Jetzt fällt's mir
wieder ein: vor zwei Monaten war es der CSU-Abgeordnete Wallner aus
Niederbayern, der von seinem Landtagstelefon aus für 25.000 Mark
Sex-Telefongespräche geführt hat.
Ich seufze so laut, daß die Möwen auf der Mauerbrüstung erschreckt
auffliegen. In diesem Moment düdelt mein hausinternes Handy. Da ich
sowieso mit HH fertig bin, schalte ich den automatischen Beantworter ab,
der normalerweise dem Anrufer mit freundlicher Stimme erklärt, daß der
Teilnehmer Leisch momentan nicht erreichbar sei, und sage:
Der Chef!!! Ich werfe einen raschen Blick auf die Uhr. In Deutschland
ist es bereits halb zwölf in der Nacht! Der Chef ruft mich normalerweise
nie selber an, und jetzt sogar mitten in der Nacht! Es muß sich also um
was ganz Ernstes handeln. Mehrere Szenarien erscheinen vor meinem
inneren Auge:
Ich gebe mich vorsichtig zu erkennen, und der Chef... ja, er klingt fast
irgendwie erleichtert?!
Also doch! Ich hatte es ja vermutet! Wahrscheinlich sagt er mir jetzt,
daß sie die ganzen gefälschten Reisekostenabrechnungen der letzten 8
Jahre gefunden haben, und ich mich besser schon mal um eine Greencard
bemühen solle, weil ich in München sowieso keinen Fuß mehr in die Türe
bekomme.
"Äh... ja, haben Sie schon... haben Sie über den... hmm...
Und dabei hatte ich die Kollegen da drüben schon beneidet, daß sie schon
seit zwei Wochen keine Vorlesungen mehr halten müssen!
"Ja... ähm... sehr... sehr... äh... unangenehm. Die Sache ist nämlich...
Aha! Da weht der Wind her! Ich lasse unauffällig die angehaltene Luft
ab. Dann frage ich höflich, was die ganze Angelegenheit mit mir zu tun
hat. Schließlich sei ich in CA und könne von hier aus bestimmt keine
Studentenrevolten anzetteln (wenn auch Berkeley dazu den stilgerechten
Rahmen abgegeben würde!).
"Nein... ja... äh... nun. Wir haben uns...äh... gedacht, daß... wo Sie
doch immer... äh... also, wir waren der Meinung... hm... daß Sie
vielleicht mit... hrrm... Sie vielleicht die... äh... Studenten wieder
zurück... äh... zurück in die Veranstaltungen bringen... hm... bringen
könnten. Weil... soweit ich mich... äh... erinnern kann, äh... haben bei
Ihnen doch die... hm.. Studenten nie gefehlt... verstehen Sie?"
Kein Wunder! Jeder, der in meiner Übung fehlt, verscherzt damit
automatisch alle Chancen, jemals einen Schein bei mir zu machen.
"Ich soll nach München kommen, nur damit die Studenten wieder in die
Vorlesung kommen?" vergewissere ich mich.
Und so endet diese kalifornische Episode ebenso unerwartet, wie sie
begonnen hatte.
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