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BASTARD ASS (I) GOES OVERSEAS
von Florian Schiel
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B.A.g.O. |
Ich sitze in meinem Büro und lecke meine Wunden. Nein, wirklich! Nicht nur im übertragenen Sinne! Kaum zu glauben, wie schwer es ist, mit der Zunge an die Fußsohlen zu kommen...
Spaß beiseite! Ich habe mich von unseren Super-Sportler Ron überreden
lassen, ihn übers Wochenende auf eine 'Backpack-Tour' zu begleiten.
Unter diesen Umständen beschließe ich, das Funk-Modem und die Ersatz-
Akkus lieber im Auto zu lassen. Mit säuerlicher Miene packe ich also nur
meinen Laptop und die 15 gefrorenen Pizzen (die sich schon recht
schwammig anfühlen) in meinen Rucksack, und folge Ron auf dem kaum
erkennbaren schmalen Weg in einen engen Canyon hinein, den ich in
einem anständigen Video-Game niemals betreten würde: er schaut aus.wie
geschaffen für einen Hinterhalt!
Wie um meine schlimmsten Befürchtungen zu bestätigen trete ich nach
kaum 200 Metern auf einen weichen Ast, der sich plötzlich kringelt und ein
Schnarren von sich gibt, das wie von einem zu langsam eingestellten
Akustik-Modem klingt. Ron reißt mich so heftig am Arm zurück, daß ich
beinahe in die Schlucht stürze, und als ich mich beschwere, fährt er mich
auch noch unfreundlich an, ob ich denn noch nie eine 'rattle snake'
gesehen hätte und ob ich immer wie ein Blinder durch die Gegend laufen
würde. Also stecke ich gehorsam meine supercoole Sonnenbrille (97%
Filter) in die Tasche und kneife die Augen zusammen. Normalerweise sind
meine Augen nur auf die Leuchtkraft meines Farbdisplays adaptiert. Am abend, als wir endlich an unserem 'camp' ankommen - für mich schaut der staubige Platz genauso aus wie alle anderen staubigen Plätze, die wir in den letzten 5 Stunden passiert haben - habe ich zwei Bienen- und unzählige Moskitostiche, einen Sonnenbrand auf der Nase, Blasen an allen zwei Füßen und meine Schultern spüre ich schon lange nicht mehr. Meine Stimmung sinkt auf den Nullpunkt, als ich entdecke, daß ich die Zugangs- Code-Tabelle für City2000 im Auto habe liegenlassen. Außerdem sind die 15 gefrorenen Pizzen in halbflüssigen Zustand übergegangen und Ron weiß nicht, wo der nächste Mikrowellenherd zu finden ist. (Oder er will es mir nicht sagen; auf meine Frage hin schnaubt er nur verächtlich!)
Die Dämmerung bricht herein (jetzt weiß ich endlich, woher dieser
Ausdruck kommt!), als ob jemand den Lichtschalter gedrückt hätte. Ron
kocht im Schein meines Laptop-Displays Vollkorn-Nudeln und gibt
zähneknirschend zu, daß das 'Ding' doch zu etwas gut sein kann.
Kaum sind wir in unseren Schlafsäcken und versuchen vergeblich eine
halbwegs annehmbare Liegestellung auf den harten Isomatten zu finden,
als aus der Richtung unseres Eßplatzes verdächtige Geräusche erklingen.
Während wir noch streiten, wer an dem kleinen Unfall Schuld ist, hören
wir wie der Bär wieder zurückkommt. Ron geht wieder hin und vertreibt
ihn mit dem Kochtopf, während ich auf das Zelt aufpassen darf.
As Ron zu sechzehnten Mal zur Bärenhatz aufbricht, gehe ich mit und
nehme meinen Laptop mit. Der Bär - ein schwarzer Kerl mit heller
Schnauze, gar nicht so groß wie ich ihn mir vorgestellt hatte - schnüffelt an
der Stelle herum, wo Ron das Seil festgeknotet hat, mit dem wir unsere
Nudeln und aufgetauten Pizzen auf den Baum gezogen haben. Ron
vertreibt ihn mit dem Kochtopf, aber der Bär läuft nur ein paar Meter und
bleibt wieder stehen. Er weiß genau, daß wir irgendwann aufgeben
werden.
Ich stelle den Laptop genau unter den Knoten und starte 'MadMax' im
'demo play modus' mit voller Lautstärke. Dann stellen wir uns hinter die
Büsche und beobachten den Bären.
Am nächsten Morgen sind die Batterien von meinem Laptop natürlich leer,
und ich sehe keinen vernünftigen Grund, noch weiter in so einer
unzivilisierten Gegend ohne Strom- und Telefonanschluß zu verbleiben.
Der Typ schaut wesentlich gesünder aus als Ron.
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