From: Karl.Jahn@t-online.de (Karl Jahn) Reply-To: Karl.Jahn@t-online.de Newsgroups: de.alt.geschichten Subject: Buerohengst 2 Date: 27 Jun 1996 19:51:52 GMT Organization: Telekom Online Internet Gateway Mime-Version: 1.0 Content-Type: text/plain Content-Transfer-Encoding: 8bit Message-ID: <4quooo$4ec@news00.btx.dtag.de> Also doch das befuerchtete 2. Kapitel des (B)astard (B)uerohengst (F)rom (H)ell 2. Kapitel Sekretaerin Nr. 3. Dienstag Morgen. Heute frueh im Bett, als mich der Schlummer langsam verliess, hatte ich gehofft, dass es vielleicht heute einmal nicht 7.00 Uhr werden koennte und dass vielleicht dieses einmal der Wecker nicht klingeln wuerde. Diese Hoffnung war aber leider im grausamen Scheppern der Aufweckmaschine zerstoben. Wieder ein neuer Tag. Na wartet! Ich betrete mein Buero, sinne nach Rache dafuer, dass die Welt existiert und suche nach einem Opfer. Viel zu frueh kommt Sekretaerin Nr. 3 in mein Zimmer und fragt nach den neuesten Ergebniskennzahlen für den Abteilungsfuersten. Sekretaerin Nr. 3 ist eine der uebelsten Giftspritzen der Firma und hat den entscheidenden Fehler mich zu oft vor 9.00 Uhr morgens anzusprechen. Ausserdem ist sie total verknallt in den Abteilungsfuersten und wuenscht sich seit vielen Jahren vergeblich, von ihm geheiratet zu werden. Das wirft natuerlich ein bedenkliches Licht auf ihren Sinn für AEsthetik. Leider hatte ich total vergessen, die Ergebniskennzahlen zu erstellen. Zeit gewinnen! "Ich habe die Zahlen bereits waehrend des Wochenendes zuhause ermittelt. Ich drucke sie sofort aus und bringe sie Ihnen in fuenf Minuten", floete ich zu Sekretaerin Nr. 3 und packe meinen charmantesten Augenaufschlag aus. Sie schuettelt ob meiner Disziplinlosigkeit den Kopf und verlaesst mich, irgendetwas vor sich hinmurmelnd. Ich starre ihr hinterher und schwarze Gedanken steigen aus der Tiefe meiner Seele auf. Zunaechst aber muss ich die Ergebniskennzahlen kreieren. Ich starte meinen PC und werfe den Zufallsgenerator an. Zwei Minuten spaeter entsteht der Ausdruck mit den betriebswirtschaftlichen Kennzahlen. Das hat bisher immer genuegt. Ich eile zu Sekretaerin Nr.3. Sie hat ein Buero gemeinsam mit den Sekretaerinnen Nr. 4 und Nr.6; wir nennen den Raum "Das Frauenhaus". Ich suelze:"Hier bitteschoen, extra in Schoenschrift gedruckt." Sekretaerin Nr. 3:"Vielen Dank, vielleicht koennten Sie naechstes Monat die Zahlen etwas frueher bringen. Ich habe keine Lust immer auf Sie zu warten. Alle anderen geben ihre Zahlen stets puenklich ab." Was soll das. Will sie Krieg? "Sie sind immer der letzte, der seine Zahlen bringt und so schwierig kann das bisschen Zeug ja auch nicht sein!" Ja, ich glaube, sie will Krieg. "Die paar Zahlen kann man doch wirklich in ein paar Minuten erstellen." Sie blickt stirnrunzelnd auf meine Ergebniszahlen. "Sieht sowieso aus, als ob es mit einem Zufallsgenerator erstellt worden waere." Albernes Gekiecher der Sekretärinnen Nr. 4 und 6. Es wird Krieg geben! Ich fuehre einen geordneten Rueckzug durch, begebe mich in mein Büro und koche erst einmal eine Kanne Tee. Beschreibung hierzu siehe Kapitel 1. Ich rauche eine Zigarre, trinke meinen Darjeeling und plane mein weiteres Vorgehen. Eine differenzierte Unternehmensplanung ist der Schluessel zu allem Erfolg in der Marktwirtschaft. Ja, so wird es gemacht: Ich versuche mich mit dem Usernamen und dem Password des Abteilungsfuersten in den Rechner einzuloggen. Die Userbezeichnung ist kein Problem: Abkuerzung der Abteilung und die Nummer "1". Das wird ueberall so fantasievoll gehandhabt. Sein Password duerfte auch kein Problem darstellen. Zunaechst versuche ich es mit seinem Vornamen rueckwaerts geschrieben: geht nicht; dann mit "Pamela Anderson": geht auch nicht; sein Nachname rueckwaerts geschrieben: nee, haut nicht hin - und der Rechner weist mich total hinaus. Also dann eben noch einmal von vorn: User Abteilungsabkuerzung und die "1", ich versuch es mal mit dem Password: "Produktiv": geht auch nicht; haette auch nicht zu ihm gepasst; warte mal, er ist doch Hobbyangler. Also: "Karpfen": geht nicht; "Hecht": Login! "Hecht" war es also - tss, tss.! Ich benutze den Shedule plus und gebe in den Kalender von Sekretaerin Nr. 3 ein Date für 20.00 Uhr im feinsten Restaurant der Stadt ein. Absender Abteilungsfuerst und Bitte um Diskretion. Mittags in der Kantine. Was gibt es denn heute ? Sieht aus wie Pattex, Schmieroel und Fensterkitt. Ich lese auf der Speisekarte: Kalbsmedaillon "Koenigin" mit Kartoffelpuerree . Na ja, der Adel ist auch nicht mehr das, was er einmal war. Aus einem mir unbekannten Grund sitze ich immer allein an einem Tisch. Ich wuerge das Pattex in meine Speiseroehre und beobachte an einem Nebentisch die Sekretaerinnen Nr. 3, 4 und 6. Normalerweise plabbern sie immer wild durcheinander und kommentieren fachkundig und kritisch die Garderobe eines jeden, der die Kantine betritt. Heute tun das aber nur die Sekretaerinnen Nr. 4 und 6. Sekretaerin Nr. 3 blickt vertraeumt aus dem Fenster und ihre Wangen bluehen rosig. Aha, die Bombe hat bereits gezuendet; sie sieht die Erfuellung ihrer jahrelang gehegten Wuensche kommen. Was freue ich mich auf morgen. Ich mache mir nur ein wenig Sorgen um die Gesundheit meines Abteilungsfuersten. Na ja, sollte er einem Unfall zum Opfer fallen, haette vielleicht ICH die Chance Abteilungsfuerst zu werden. Ich werde morgen ausnahmsweise einmal puenklich kommen, um nicht wichtige Ereignisse in unserer Firmengeschichte zu verpassen. Karl.Jahn@t-online.de