Back Orifice Jan Fischer Hallo Leisch! Ich sitze hier gerade im BZSDBA (Buero des Zentralen Systemkoordinators und Datenbankadministrators) (ZSDBA ist die offizielle Bezeichnung meiner Taetigkeit hier am LEERstuhl) und bewundere mein Werk. Natuerlich heisst es auch nicht LEERstuhl, sondern Fachbereich, wie aus einem der letzten Rundschreiben des Rektors hervorgeht. Wie ich auf meinem Bildschirm gerade sehe unserer Professor, Frau Dr.-Ing. H. Goeser gerade ueber einer Lektuere sitzt, welche wohl nicht wissenschaftlicher Art sein kann, der entspannten Sitzhaltung nach zu urteilen. Ich habe gestern alle Workstations und PC's mit Soundkarten, Mikrofonen, Lautsprechern und Kameras ausgestattet. "Damit wir in Zukunft mit Hilfe von Telefonie ueber das Netz Telefonkosten sparen koennen und durch Web-Konferenzen weniger Dienstreisen machen muessen." "Ah, das ist gut." hat die Chefin gesagt, welche durchaus eine sparsame Natur ist. Dass ich neben dem ganzen anderen Softwarekram auch noch Back Orifice installiert habe merkt ohnehin keiner. Endlich habe ich hier ALLES unter Kontrolle. Ich schalte um in das Roboter-Labor. Dort steht noch ein alter Geselle aus einer laengst vergangenen Zeit. Dennoch hat sich irgendwann jemand die Arbeit gemacht, ein Windows-Programm zu schreiben, mit dessen Hilfe man ihn bedinen kann. Nicht das jemand diesen Gesellen benutzen wuerde aber er hat einmal Zehntausende gekostet und da waere es doch schade ihn einfach zu verschrotten meinte die Frau Professor. Ich habe immer den Verdacht, dass der Roboter nur noch da steht, weil hinter ihm einige Flaschen mit Alkoholika stehen. (Fuer dringende Faelle wie z.B. Urlaubsanfang und -ende, zurueck von schwehrer Krankheit, Ein- und Ausstand, akademische Feiern, Weihnachten, Ostern und vieles andere mehr) Aus einer Tonbandaufnahme einer Feier suche ich eine tiefe Stimme mit den Worten "Zum Wohl" heraus und sample sie ueber die Soundkarte ein. Wir haben zwar keine KC-Technik mehr, aber aus einem mir unbekannten Grunde benoetigen wir immer noch die Kassettenabspielgeraete. Wahrscheinlich ist der Grund darin zu sehen, dass wir zu Weihnachten die entsprechenden Kassetten abspielen koennen. Ich schiebe das entstandene File auf die Kiste im Labor, an welcher unser alter Kollege Roboter angeschlossen ist. Eine kleines Perlprogramm unter Windoofs und eine Anweisungfolge fuer den Roboter und ... nicht fertig. Jetzt muss ich doch noch aufstehen. Ich gehe hinueber in das Labor und versehe einen Schraubstock mit Gummiauflagen fuer die Spannbacken und befestige ihn an einem Tisch in Reichweite des Roboters. Damit sollte die Fixierung der Flasche waehrend des open(bottle) Befehls gesichert sein. Ausserdem stelle ich die Glaeser auf und versehe die Greifbacken des Roboters ebenfalls mit Gummiauflagen. (Schliesslich handelt es sich um hochwertige 08/15 Weinglaeser und der Verlust dieser wuerde fuer den LEERstuhl einen groesseren Verlust darstellen, als wenn die Feuerwehr bei einem Brand unseren Server einschaeumen wuerde. Irgendwo muss doch noch der Naeherungssensor mit dem CAN-Bus-Interface herumliegen. Ah er liegt hinter der an Wassermangel eingegangen Pflanze auf dem Fensterbrett. So, anstecken und fertig. Ich gehe zurueck in mein Buero und aktiviere das Werk. Nun ja, ohne Sensoren am Roboter geht das alles nicht so ganz einfach. Der Korken der Weinflasche schwimmt wohl zur Haelfte in der Flasche und die Glaeser sind nur halbgefuellt. Ah, da kommt schon einer unserer Studenten, welche gerade die Studienarbeit bei uns machen. Zuerst schaut er etwas ueberrascht, nimmt aber dann sein Glas, sagt zu dem Roboter ebenfalls "Zum Wohl" und trinkt das Glas aus. Der Roboter hebt ebenfalls das Glas bis kurz unter die Augenhoehe und dreht es dann um 90° nach unten. Selbstverstaendlich ist da nichts, wo er es hineinschuetten kann. Es laeuft eben einfach nach unten. Der Student schaut noch ein wenig nachdenklich, entfernt sich wieder von dem Kollegen Roboter und kommt noch einmal auf ihn zu. Und wieder erhaelt er ein Glas. Es dauert nicht lange und es bildet sich ein sozialistisches Wartekollektiv vor dem Roboter. Leider geht um 13:47 Uhr der Wein aus. Schade. Na macht nichts. Ich besorge mir aus der Sammlung (Das ist die Bezeichnung fuer eine zentrale Stelle in welcher sehr antike Geraete gesammelt [Daher der Name] werden, welche ohnehin keiner mehr verwenden wird.) einen alten Messender und nehme eine Leitung des Parallelportes meiner Maschine um die Modulation der HF-Traegerfrequenz zu kontrollieren. Ich starte ein Programm und warte bis zur vollen Stunde. In unserem Gebaeude hat man die alten Zentraluhr gesteuerten Uhren auf den Gaengen gegen neue Funkuhren ausgetauscht, da die alte Technik zu unzuverlaessig war. (Das lag wahrscheinlich daran, dass ich hin und wieder eine der Tochteruhren kurzgeschlossen habe.) An meiner Armbanduhr ist es jetzt 15:04 Uhr aber die Uhren auf den Gaengen im Gebaeude zeigen jetzt 16:15 Uhr an. Und weil ich an die moderne Technik glaube gehe ich nach Hause. Mit hoellischen Gruessen Bastard Administrator des Hades copyright by Jan Fischer 1999 PS.: Ich moechte nicht versaeumen an dieser Stelle Herrn Thomas Gerber fuer seine guten Ideen in den letzten beiden Briefen an den BAfH zu danken. Auch wenn Aehnlichkeiten mit lebenden Personen und Universitaeten der Bundesrepublik Deutschland nicht auszuschliessen sind, so hoffe ich doch, dass meine Darstellungen so sind, dass Aussenstehende diese Personen und die Universitaet nicht erkennen. Sollten diese Personen oder die Universitaet erkannt werden, so wird jeder gebildete Mensch hoffentlich erkennen, dass dies Darstellung schon so stark uebertrieben ist, dass sie mit der Wirklichkeit nur noch sehr wenig gemein hat.