DFÜ Tax Jan Fischer Hallo Leisch! Ich bin gerade dabei mir nach einer wirklich grossartigen Arbeit eine Tasse Tee (Earl Grey heiss) zu genemigen. Ich habe soeben ueber meiner Tuer zwei Bretter fuer die von mir aus der Friedhofsgaertnerei georderten Gruenpflanzen befestigt. (Nein ich bin nicht an der gallopierenden Rinder- seuche erkrankt.) Die Mittel dafuer habe ich einfach aus dem Projekt "Regelung der Wachstumsparameter eines Gewaechshauses mit Hilfe von Fuzzy-Pattern-Klassifikation" genommen. Wer da meint, dass ich der wissenschaftlichen Entwicklung schade, indem ich Ihr Geld entziehen wuerde, der irrt gewaltig. Meines Wissens nach ist das Gewaechshaus in den letzten drei Jahren, seit dieses Projekt laeuft noch um keinen halben Zentimeter gewachsen. Somit ist das Geld ohnehin fuer die Wissenschaft verloren. Die Bretter fuer die Pflanzen sind 4 cm dick und 5 cm breit. (Noch breitere Bretter kann ich aus Kostengruenden leider nicht verantworten.) Selbstverstaendlich habe ich nur Haengepflanzen gekauft. Somit ergeben sich zwei Vorteile: Erstens kann niemand mehr von aussen erkennen, ob ich in meinem Zimmer bin oder nicht. (Bei uns am Institut sind die Zimmertueren der Mit- arbeiter leider verglast. Man kann zwar nicht hindurchsehen, aber am Schatten sehr wohl erkennen, ob sich jemand im Raum befindet oder auch nicht.) Zum zweiten werden die Leute wenn sie schon die Unverschaemtheit haben nicht anzuklopfen, mein Zimmer nur noch mit der gebotenen Vorsicht be- treten. (Zumindest nach einer gewissen Lernphase.) Schon wieder scheppert es unter meinem Fenster. Was ist da denn schon wieder los? Kann man nicht einmal an einer Universitaet seinen philosophischen Gedanken nachhaengen? Ich sehe aus dem Fenster und weiss, was los ist. Die Universitaet ist wieder einmal dabei sich von ihrem Muell zu trennen. Ich veraendere meine Sitzposition so, dass ich hin und wieder den Kopf aus dem Fenster stecken kann und widme mich wieder meiner Arbeit, unseren Webserver umzukonfigurieren, da ich in Zukunft einen multi-homed Webserver benoetige. Unser Webserver soll in Zukunft dann auch unter dem Namen http://www.datenautobahnpolizist.de erreichbar sein, auf welchem ich meinen Beitrag, zur Unterstuetzung unserer Bundesregierung und zur Verbesserung der Lage auf dem Arbeitsmarkt zu leisten gedenke. Selbst- verstaendlich kostet mein Weiterbildungsangebot eine Kleinigkeit. Dafuer sind die beruflichen Moeglichkeiten der Auszubildenden nach dem erfolgreichen und mit einer entsprechenden Urkunde bescheinigten Abschluss enorm. Schliesslich gibt es bisher in ganz Deutschland erst ganz wenige Datenautobahnpolizisten. Die Domain datenautobahnpolizist.de habe ich im uebrigen im Namen einer auf Verkehrstechnik spezialisierten Fakultaet einer anderen Universitaet des Freistaates beantragt. Allerdings wissen die Leute dort noch gar nichts von ihrem Glueck. Da klingelt das Telefon. Ich lasse es fuenfmal klingeln und hebe dann ab. (Schliesslich bin ich hier wirklich mit Arbeit ueberlastet.) "Ja bitte." "Es geht ueberhaupt nichts!" (Ich liebe solche Leute ganz besonders. Das ist doch wirklich eine sehr klare und vor allem einfache Fehlerbeschreibung. Nun ja, da wollen wir doch einmal sehen, ob wir nicht etwas Nachhilfeunterricht geben koennen.) "Oh das ist schlecht." "Ja wirklich, wo ich doch den Bericht noch fertigschreiben muss." "Liegt es am Papier?" "Am Papier? Nein das kann nicht sein. Es ist genuegend Papier vorhanden." "Nun dann pruefen Sie doch bitte den Fuellstandslevel im Schreibfluessig- keitstank." "Wieso? He, ich will doch nicht drucken, sondern den Bericht fertig schreiben." "Ja das weiss ich, aber Sie sollten trotzdem zunaechst den Fuellstandslevel im Schreibfluessigkeitstank ueberpruefen." "Na gut, wenn Sie meinen. Was muss ich dazu tun?" "Das ist ganz einfach. Sie nehmen den unteren Teil des Geraetes in die linke Hand und den oberen Teil in die rechte Hand." (Er versucht es tatsaechlich, wie ich ueber die Geraeusche durch das Telefon mitbekommen kann.) "Ja, und nun?" "Nun drehen Sie den oberen Teil einfach entgegen der Uhrzeigerrichtung." (Gluecklicherweise baut die Firma HP doch recht solide Geraete.) "Es geht nicht! Es geht wirklich nicht! Sind Sie sicher, dass man dazu kein Werkzeug benoetigt." "Nein, dazu benoetigen Sie mit Sicherheit kein Werkzeug, aber wenn Sie das nicht schaffen, dann bringen Sie das Geraet einfach vorbei." "Ja, das geht in Ordnung." Zehn Minuten spaeter klopft es und ich bitte den Besucher herein. Bumm - die erste Pflanze ist heruntergefallen. Er stoehnt vor Schmerzen, verkneift es sich aber zu fluchen. Wenigstens ist er gut erzogen. "Oh, das tut mir aber leid. Ich werde nachher gleich eine neue Pflanze in der Gaertnerei besorgen." Bringt er zwischen seinen zusammengebissenen Zaehnen hervor. (Ich haette wohl doch besser fuer eine Gewinnbeteiligung bei der Gaertnerei sorgen sollen.) "Was wollen Sie mit dem Drucker hier! Bringen Sie den sofort zurueck in den Pool!" "Ja, aber Sie sagten doch, ich solle das Geraet einfach bei Ihnen vorbei bringen." "Das sagte ich, aber ich meinte natuerlich nicht den Drucker." "Sondern?" "Ihren Fuellfederhalter!" "Ja, aber ich wollte doch den Bericht mit dem Computer schreiben." "Woher soll ich das wissen? Das haben Sie nicht gesagt. Also der Computer geht nicht?" "Ja." "Dann muessen wir ein Computerhardwarereparaturformular ausfuellen. Das geht ganz schnell. Ich bereite es fuer Sie vor. Sie muessen dann nur noch abzeichnen." "Oh, vielen Dank. Ich bringe inzwischen den Drucker zurueck." Ich nehme also ein Computerhardwarereparaturformular aus der Schublade und fange an die defekten Teile anzukreuzen. Ich fange dabei bei Maus an und hoere bei dem Netzteil auf. Nach ein paar Minuten ist der Hilfesuchende wieder zurueck und ich lege ihm das Computerhardwarereparaturformular zum Abzeichnen vor. "Aber das geht doch alles!" "Wieso? Sagten Sie nicht, dass ueberhaupt nichts mehr geht?" "Ja, aber ich meinte doch das Netzwerk. Ich komme nicht an den Server, wo meine Dateien liegen, nicht in's Web und nicht an meine E-Mail." "Ach so, das Netzwerk funktioniert nicht mehr. Na da wollen wir doch gleich einmal nachsehen." (Ich bin heute wirklich sehr hilfbereit. Ich muss wohl einmal zum Arzt gehen. Wahrscheinlich bin ich krank.) Und tatsaechlich hat sich gestern, als ich einige kleine Aenderungen an unserem Router vornehmen musste ein Fehler eingeschlichen. Offensichtlich habe ich zwei IP-Adressen verwechselt und dieser Glueckspilz hat die Maschine erwischt, welche dadurch nicht mehr geroutet wird. Na gut, helfen wir ihm. Aber natuerlich hat alles seinen Preis. "Ja, ich sehe hier, woran es liegt." "So, was ist es denn?" "Sie haben ihre DFUE-Steuer nicht bezahlt." "Die was?" "Die Datenfernuebertragungssteuer." "Davon habe ich ja noch nie etwas gehoert. Was soll denn das sein?" "Sie wissen aber schon, dass jetzt Rot-Gruen in Bonn bzw. in Berlin regiert." "Ja natuerlich." "Und von der Umweltsteuer haben Sie auch schon gehoert." "Ja, aber was hat das damit zu tun?" "Nun die DFUE-Steuer ist so etwas wie die Umweltsteuer fuer Netzwerke und jegliche andere Datenuebertragung." "Ja, aber bei der Datenuebertragung wird doch die Umwelt ueberhaupt nicht belastet." "So? Da haben Sie wohl in theoretischer Elektrotechnik nicht aufgepasst. Nun am besten ich rede noch einmal mit dem Professor. Sie wissen aber schon, dass sich um jeden Leiter, so er ein gegenuber seiner Umgebung unterschiedliches elektrisches Potential fuehrt ein elektrisches Feld bildet?" "Aber sicher weiss ich das." (Theoretischer Elektrotechnik ist fuer die meisten Studenten ein Fach in dem es um Schwarze Magie geht. Und erschwehrend kommt hinzu, dass eine erfolgreiche Pruefung die Voraussetzung fuer das Vordiplom ist.) "So, dann wissen Sie ja sicher auch, dass der Stromfluss in einem Leiter zu einem magnetischen Feld fuehrt und dass man mit Hilfe elektrischer und magnetischer Felder Energie uebertragen kann." "Natuerlich." Inzwischen habe ich mich mit Hilfe von Netscape zu den Homepages von einigen Radikal-Gruenen von Buendnis 90/Die Gruenen durchgehangelt. "Na, dann ist Ihnen doch sicher auch klar, was in so einem - na sagen wir mal einem Vogel, der ja wie auch wir Menschen zu einem sehr grossen Teil aus Wasser besteht, ablaufen wird." Dabei zeige ich auf die WWW-Seite, in welcher dargelegt wird, dass der betroffene Vogel nicht nur einen neurologischen, sondern auch einen psychischen Schaden bekommt und daher sofortiger Behandlung durch einen Tierpsychiater bedarf. Er schaut auf den Bildschirm und nickt. "Und deshalb ist die DFUE-Steuer eingefuehrt worden." sage ich und ziehe einen Ueberweisungsvordruck einer Bank heraus, setze als Betrag 143,40 DM ein und die Kontonummer einer Luxenburger Briefkastenfirma ein, welche mehrheitlich mir gehoert und ergaenze den Zahlungsgrund "DFUE-Steuer" "So," sage ich "setzen Sie noch Ihren Namen ein und gehen Sie damit zu Ihrer Bank. Sie erhalten dann meist innerhalb von wenigen Tagen eine Bescheinigung des Finanzamtes ueber den Eingang Ihrer DFUE-Steuer, welchen Sie mir dann bitte vorbei bringen, damit ich Sie wieder freischalten kann." Er bedankt sich artig und geht. Mit Hilfe von Gimp, LaTeX, einem alten Bescheid des Finanzamtes und unserem Scanner werde ich morgen ein sehr echt aussehendes Schreiben verfassen, welches ich Ihm dann zusenden werde. Die Adressen meiner Nutzer erfrage ich ohnehin bei Ihrer Anmeldung. Selbstverstaendlich wird der maschinell erstellte Bescheid keiner Stempel oder Unterschriften beduerfen. Was macht der Container voller Schrott unter meinem Fenster? Verschiedene Aasgeier und Fledderhabichte umkreisen den Container und suchen nach verwertbaren Stuecken. Sie beaeugen alte Messgeraete, Drucker, Computer- teile und sonstige Hardware, scheinen aber wohl alle noch nicht so richtig auf den Geschmack gekommen zu sein. Dass werden wir gleich einmal aendern. Ich durchsuche meine Sammlung von Mailadressen, nach Informatik- Studenten und schreibe eine Mail an diese, dass die Universitaet wertvolle Computerhardware verschrotte. Es dauert nicht lange und sie kommen. Auf den ersten Blick finden sie auch nicht viel, aber der mutigste von ihnen steigt in den Container und beginnt diesen regelrecht umzugraben. Eine dreiviertel Stunde spaeter zieht er triumpfierend eine alte DEC-Station 5000/120 heraus. Ich mache ein paar Photos mit unserer Digitalkammera und stelle sie zu den anderen Bildern im WWW, welche die Studenten unserer Universitaet bei der wissenschaftlichen Arbeit zeigen. Da ich meinen Vier-Uhr Tee zu Hause zu nehmen pflege, packe ich meine Tasche und gehe. Mit hoellischen Gruessen Bastard Administrator des Hades copyright by Jan Fischer 1999