Eclipse Jan Fischer Hallo Leisch! Unser Rektor hat ein Rundschreiben verfasst, in welchem er uns eine "Handlungsrichtlinie zur strafrechtlichen Verantwortlichkeit im Hin- blick auf das Internet" vorstellt. Ich nehme diese Gelegenheit war um unseren LEERstuhl (zu diesem Begriff hat unser Rektor ebenfalls ein Rundschreiben verfasst, damit dieser Begriff auch richtig zur Anwendung kommt) umfassend rechtlich abzusichern. Ich sorge also dafuer, dass sobald sich ein Nutzer erfolgreich angemeldet hat, zuerst die Nutzungs- bedingungen fuer die Rechentechnik, fuer das Netz und saemtliche Lizenz- bedingungen, jeglicher auf der jeweiligen Maschine installierten Software durchscrollen. Da es auch Menschen gibt, die nicht so schnell begreifen habe ich fuer jede Zeile 20 Sekunden einkalkuliert. Nach jedem Dokument biete ich drei Buttons an, dass man das Ganze verstanden hat und akzeptiert, den Rechner doch lieber nicht benutzen moechte oder das man das Dokument leider noch nicht so ganz im FNBPC (Fuzzy-Neuronaler- Biologischer-Parallel-Computer) verarbeitet hat und es lieber noch einmal lesen moechte. Kaum bin ich fertig, klingelt das Telefon. Nachdem ich es ausgiebig klingeln lassen habe (schliesslich bin ich ja schwehr beschaeftigt) nehme ich ab. "Ja." sage ich. Eine Nutzerin ist dran. (Das ist gut.) "Ja, ich habe hier ein Problem. Sie wissen doch, dass die KC-Technik vor drei Jahren ausgesondert worden ist." "Ja sicher." (Die KC-Technik stammt aus der Mitte der 80-er Jahre. Und war eher dem Homecomputerbereich zuzuordnen. Vergleichbar etwa mit der C64-Technik, obwohl Z80-Clones (U880) als Prozessoren eingesetzt wurden und von dieser Seite her wohl die Verwandschaft zum ZX-Spectrum von Sinclair groesser war.) "Ja und nun haben wir hier noch Kassetten liegen. Wir wollen diese Kassetten eigentlich wegwerfen aber man kann ja eigentlich nie wissen." (Gemeint sind die Tonbandkassetten, auf welchen die Programme und Daten gespeichert wurden. Wenn man diese in der Stereo-Anlage abspielte konnte man deutlich hoeren, wie die Grille die Schallmauer uebersprang. "Da haben Sie vollkommen recht. Wie Sie sich erinnern war ich ja auch absolut gegen die Abschaffung der KC-Technik. Es war immerhin die zuverlaessigste Rechentechnik, die wir je hatten. Der KC/85-1 welcher das Ziffern-Code-Tuerschloss zum E-Labor bediente war schliesslich ueber 11 Jahre durchweg im Einsatz. Das System musste nur nach dem Stromausfall 1992 neu gebootet werden. Viren gab es bei der KC-Technik auch nicht. Ach das waren noch Zeiten." seufze ich. "Ja, was soll ich nun mit den Kassetten machen?" fragt Sie. "Ganz einfach, machen Sie doch ein Backup und brennen Sie dann eine CD." "Das ist eine gute Idee." leuchtet Ihr sofort ein. (Wohlgemerkt ich habe nur gute Ideen.) "Nur wie bekomme ich die Daten in den Rechner? Mein neuer Pentium II Computer hat kein Kassetteninterface." "Ja, das ist schlimm." pflichte ich Ihr bei. "Die neuen Geraete sind einfach nicht rueckwaertskompatibel." Ich koennte Ihr jetzt sagen, dass es einen KC-Emulator gibt und dass man mit Hilfe dieser Software die Daten ueber den Parallelport einlesen kann. Aber dafuer muesste man ein Kabel loeten und die Signalpegel anpassen, was dann eventuell doch vieleicht doch zu viel Arbeit fuer die Dame waere und da dies bedeuten koennte, dass die ganze Arbeit wieder an mir haengen bleibt, schlage ich Ihr eine ganz einfache Loesung vor. "Sie haben doch sicher eine Soundkarte an Ihrem Rechner." "Ja, habe ich." "Sehen Sie, da muessen Sie nur den Kassettenrecorder an den Line-In-Ein- gang anschliessen und dann koennen Sie die Daten einsampeln. Das geht mit jeder Audiorecording-Software. Im Anschluss daran wandeln Sie die Daten in Audiotracks um und brennen die CD einfach als Audio-CD." "Das ist ja ganz einfach. Vielen Dank!" "Ach das ist doch nicht der Rede wert. Auf Wiederhoeren." Nun muss ich noch eine aktuelle Information an meine (L)User weitergeben. Das erfolgt wie immer per E-Mail. Diese Informationen betreffen die Sonnenfinsternis in Deuschland am 11. August 1999. So hat die Katholische Kirche in Deutschland bekanntgegeben, dass die Welt an diesem Tage noch NICHT untergeht. Kerzen und Streichhoelzer muessen NICHT gesegnet werden. (http://katholische-kirche.de/news/0808pas.htm) Die Evangelisch-Lutherische Kirche schliesst sich dem an. Auch der Vatican betont, dass der Weltuntergang NICHT bevorsteht. Ausserdem muessen die Mitarbeiter ueber die wahre Natur der Sonnenfinsternis aufgeklaert werden. Den Schwachsinn mit dem Mond, welcher sich zwischen Sonne und Erde schiebt, den kann man ja doch beim besten Willen nicht glauben. (http://www.askia.de/sonnenfinsternis/index.html) Ach ich werde langsam alt. Da habe ich nun doch tatsaechlich die drei "NICHT" vergessen. Aber nun ist die E-Mail schon abgesendet. Nun ja, da kann man nichts machen. Am besten ich nehme eine Aus-Zeit bei einer guten Tasse Tee. Mit hoellischen Gruessen Bastard Administrator des Hades copyright by Jan Fischer 1999