Elektrotechnik Jan Fischer Hallo Leisch! Klapp, klapp. Koennen die Leute nicht auf die geistig arbeitende Bevoelkerung Ruecksicht nehmen? Noch dazu, wo doch ein jeder weiss, dass ich zwischen 9:00 Uhr und 10:30 mich bei meiner morgendlichen Tasse Tee (ja ich weiss, dass es manchmal auch zwei oder drei Tassen sein koennen) meinen philosophischen Gedanken hinzugeben pflege. Und habe ich nicht schon mindestens drei Dutzend mal die Anbringung von Gummi zwischen Tuerblatt und Tuerrahmen angemahnt? Der Laut- staerke nach muss es der Kollege Vogt gewesen sein, welcher da soeben sein Zimmer verlassen hat, da Kollege Vogt das Zimmer direkt neben dem meinen bewohnt. Na gut, sehen wir einmal nach, ob der Kollege Vogt eventuell nur kurz den Raum verlassen hat, um sich dorthin zu begeben, wohin sich auch der Kaiser zu Fuss zu begeben pflegt. In diesem Fall schliesst der Kollege Vogt sein Zimmer nicht ab. "Hier an der Universitaet arbeiten doch eigentlich nur ehrliche Leute und was gibt es denn auch gross auszuspionieren bei uns." Nun ja, mit dem zweiten Punkt hat der Kollege Vogt eigentlich durchaus recht. Normalerweise hat der Kollege Vogt ja noch einen Zimmergenossen, welcher zur Zeit leider krank ist und daher sein Automobil, welches schon so tief liegt, dass er hier im Osten durch einige Staedte nur mit maximal 20 km/h fahren kann, noch ein paar Zentimeter tiefer legt. Dafuer ist die Strassenlage dieses Fahrzeuges ausgezeichnet und man koennte theoretisch mit diesem Fahrzeug in einer Stunde Wien erreichen, wenn auf der Autobahn keine Baustellen waeren und ausserdem keine Staus und nicht zu viele andere Verkehrsteilnehmer. Also wie gesagt, wenn einige Randbedingungen gegeben waeren koennte man mit diesem Fahrzeug in einer Stunde Wien erreichen. Aber zurueck zu dem Kollegen Vogt. Ich habe Glueck und der Kollege hat das Zimmer nur kurz verlassen, so dass sein Zimmer nicht abgeschlossen ist und ich einige Korrekturen im Terminkalender seines Apple Newton durchfuehren kann. Die Kollegen sind hier ohnehin alle ueberlastet, also loesche ich zunaechst die Haelfte aller Eintraege und verschiebe die anderen so zwischen 60 und 120 Minuten nach vorn oder nach hinten. Termine mit Mitarbeitern legt die Chefin immer so in etwa auf 13:00 Uhr. Der Kollege Vogt geht im Normalfall recht zuverlaessig 12:45 Uhr zum Mittagessen, so dass ich einen Termin 13:00 Uhr mit der Chefin hinzufuege. Ich stelle eine Vorwarnzeit von 2 Minuten ein. Ich weiss doch dass die Chefin Ihre Mitarbeiter gern sieht. Des weiteren trage ich an siebzehn Tagen dieses und des kommenden Monats Termine in der Zeit zwischen Mitternacht und 2:00 Uhr ein, schliesslich geht es nicht an, dass die Mitarbeiter die ganze Nacht einfach nur im Bett herumliegen. Weisen nicht Wirtschaftsexperten und Politiker immer wieder darauf hin, dass die Arbeitsproduktivitaet im Osten durchaus noch nicht das Westniveau erreicht habe? Es ist durchaus nicht so, dass wir dies nicht wuessten. Wie Du siehst arbeiten wir intensiv an der Beseitigung dieses Problems. Es gelingt mir gerade noch rechtzeitig wieder in meinem Zimmer zu verschwinden, bevor der Kollege Vogt wieder sein Zimmer betritt. Klapp, klapp. Eigentlich ist es gar nicht so schlimm mit unseren Tueren. Man ist immer gut informiert. Da es immer ratsam ist die Wirksamkeit der getroffenen Mass- nahmen zu kontrollieren, werde ich mich heute etwas spaeter als gewoehnlich zum Mittagessen begeben, so dass mir noch etwas Zeit bleibt, an dem Y2k-Problem zu arbeiten. Eigentlich habe ich das Problem vollstaendig im Griff und habe auch alles durch zahlreiche Testlaeufe geprueft, so dass ich sicherstellen kann, dass am 1.1.2000 auch wirklich das totale Chaos ausbricht. Einzig und allein unser Solaris 7 System benoetigt noch einige Patches, um dem ganzen auch den notwendigen Feinschliff und die rechte Wuerze zu geben. Jetzt wird es aber Zeit in die Mensa zu gehen. Ich setze mich an meinen Tisch, welcher immer frei ist, seit sich herum- gesprochen hat, welche Unfaelle passieren koennen, falls man ohne meine besondere Einladung an diesem Tisch sitzt. Da war zum Beispiel der WiWi-Professor, welcher den Aufzug benutzen wollte, der aber das Pech hatte, dass der Aufzug zwar durch den dezenten Glockenschlag angekuendigt wurde und sich die Tueren auch oeffneten, jedoch dahinter keine Aufzugs- kabine angekommen war. Leider war der gute Mann gerade so in das Gespraech mit einem Kollegen vertieft, dass er in den nicht vorhandenen Aufzug einstieg. Sehr schade ... Und dann erst die Angestellte von Dezernat fuer die zentrale Beschaffung, mit der defekten Kaffeemaschine, bei welcher die Heizplatte unter Spannung stand. Ein Konstruktionsfehler. Die Angehoerigen waren sehr traurig und depressiv bis die Herstellerfirma wegen der Produkthaftung zahlen musste, was sich therapeutisch sehr guenstig auswirkte. Sehr schade ... Letzten Monat erst ist ein Maschinenbauer umgekommen, welcher an diesem Tisch sass, als er an einer Fraesmaschine arbeitete und dabei auf den Maschinentisch steigen musste. Es kam zu einer bislang noch nicht genau geklaerten Fehlfunktion. Dabei steht doch ausdruecklich in den Arbeitsschutzrichtlinien, dass vor solchen Arbeiten der Hauptschalter in die Aus- Stellung zu bringen ist. Die Leute sollten sich wirklich an die Arbeitsschutzrichtlinien halten. Sehr schade ... Und schon kommt eine unserer Kuechenfeen, legt ein weisses Tischtuch auf und bringt Kaninchenleber mit Aepfeln und Zwiebeln, sowie als Saettigungsbeilage Kroketten. (Wer nicht weiss was eine Saettigungsbeilage ist, der mache sich ge- faelliger Weise kundig. Ich kann schliesslich nichts dafuer, wenn Ihr zu spaet oder im westlichen Teil Deutschlands geboren worden seid.) Fuer den naechsten Tag bestelle ich flambierte Ente in Rotweinsauce. Frueher kaempfte jeden Tag um die Mittagszeit mein Feinschmeckergaumen gegen meinen Magen. Mein Magen bestand in der Regel darauf, dass ich mich zur Nahrungs- aufnahme in die Mensa begeben sollte, was mein Gaumen stets kategorisch ablehnte. Seit ich jedoch den zentralen Server unseres Studentenwerkes unter Kontrolle habe und dort einmal fuer die Bestellungen der gesammten kommenden Woche jeweils alle kg hinter den Zahlen fuer die entsprechenden Artikel in Mg umge- wandelt habe wird mir hier jeder Wunsch von den Augen abgelesen. Es war einfach toll. Schon um 8:30 Uhr stand am darauf folgenden Montag die gesammte Zufahrtsstrasse zur Universitaet voller LKW's, welche ihre Waren anliefern wollten. Dazu kommt, dass diese Strasse mit zu den groesseren Strassen der Stadt ge- hoert und auch im Normalfall einen nicht unerheblichen Verkehrs- fluss aufweist. Durch diese heldenhafte Tat ist es mir wiedereinmal gelungen, dem Steuerzahler viel Geld zu sparen, denn es gab durch diesen Grossauftrag noch einmal 23 % Rabatt. Nachdem ich beobachtet habe, wie der Kollege Vogt voller Schrecken von seinem Essen aufgesprungen ist wird es Zeit, dass ich mich in der Werkstatt mit Phasen- und Lastpruefer und einigen Schraubendrehern versehe und in den Keller des Gebaeudes unserer Fakultaet begebe, in welchem seit einigen Tagen eine Elektro- installationsfirma Aenderungen an den elektrischen Anlagen vornimmt. Die Elektriker haben sich natuerlich ausgiebig ueber Ihr neues Einsatzgebiet informiert und wissen daher, dass man nach dem Mittagessen nicht sofort wieder in die Arbeit stuerzen kann, sondern dass man eine Stunde zum Kaffeetrinken und Erfahrungsaustausch mit den Kollegen, was in diesem Fall die Elektriker aus der Elektrowerkstatt der Fakultaet sind, einlegt. Schliesslich muessen die kreativen Gedanken einige Zeit haben um sich zu entwickeln und reifen zu koennen. Schloesser sind ohnehin nur dazu da, um Diebe fernzuhalten. Aber welcher Dieb moechte schon eine 1000 A Verteilerschiene mit sich herumtragen? Und im Haushalt ist derartiges auch eher weniger zu gebrauchen. Also kann ich ganz in Ruhe einige Verschlimmbesserungen vor- nehmen. Unser SGI-Pool ist schon ziemlich in die Jahre gekommen und die Maschinen schnaufen nur so vor sich hin. Geld fuer neue Technik ist natuerlich nicht da, denn (sicher hast Du es schon geahnt) unser Wissenschaftsminister hat kein Geld und muss sparen. Also habe ich mir gedacht, dass ein Motor sich ja um so schneller dreht, je hoeher die an ihn angelegte Spannung ist. Das muesste doch auch fuer die Computer gelten. Und das probiere ich jetzt aus. Der Pool ist zur Zeit abge- schaltet, weil, wie ich schon sagte, die elektrische Anlage in Arbeit ist. Durch Umklemmen von zwei Draehten sorge ich dafuer, dass die Maschienen in Zukunft mit 220 Volt statt mit 380 Volt betrieben werden. Auf irgendwelche bloedsinnigen Schutzmechanismen, wie USV's, die meinen Versuch verhindern koennten, hat man damals bei der Einrichtung des Pools aus Kostengruenden gluecklicherweise verzichtet. Da wir einmal dabei sind, vertausche ich gleich noch jeweils zwei der drei Phasen der Motoren fuer unsere insgesammt vier Aufzuege, welche sich zu je zwei Stueck, wie sicherlich erinnerlich, jeweils am vorderen bzw. hinteren Ende unseres Gebaeudes befinden. (Zwei Aufzuege mit und zwei Aufzuege ohne Relais- steuerung.) Nachdem ich die Werkzeuge wieder an Ihren Platz zurueck gebracht habe, gehe ich in unseren Pool und schalte alle Monitore und Maschinen ein. Nach etwa zwei Stunden wird die Spannung wieder zugeschaltet. Leider meldet sich schon nach exakt 93 Sekunden die Sicherung. Schade. War wohl nichts mit dem Turbo fuer unsere SGI's. Ich gehe hin- unter zu den Elektrikern und berichte von dem Fehler. Nach kurzer Zeit finden diese den Fehler. "Werner, hab ich Dir nicht gesagt, dass Du an dem Strang besonders aufpassen sollst und vor allem noch einmal KONTROLLIEREN!" sagt der Meister. "Na hoffentlich ist nichts kaputt gegangen. Da wollen wir gleich einmal sehen. Was ist den im Raum 205." "Oh," sage ich sorgenvoll "das ist der SGI-Pool." "Der was?" "Der SGI-Pool. Das sind Workstations, also besonders schnelle Rechner." "Oje." Zehn Minuten spaeter steht fest, dass der SGI-Pool komplett zum Teufel ist. Die Chefin wird sich freuen. Auf diese Weise kriegen wir ohne Belastung irgendwelcher Etats einen neuen Pool, auch wenn es wohl nicht fuer einen SGI-Pool reichen wird. Na und der Wissenschaftsminister erst. Der muss den Steuerzahler nicht damit belasten. Ich sollte mich in aller Bescheidenheit fuer den Titel "Retter der Deutschen Nation" vorschlagen. Mit hoellischen Gruessen Bastard Administrator des Hades Copyright 1999 by Jan Fischer DISCLAIMER: Auch wenn Aehnlichkeiten mit lebenden Personen und Universitaeten der Bundesrepublik Deutschland nicht auszuschliessen sind, so hoffe ich doch, dass meine Darstellungen so sind, dass Aussenstehende diese Personen und die Universitaet nicht erkennen. Sollten diese Personen oder die Universitaet erkannt werden, so wird jeder gebildete Mensch hoffentlich erkennen, dass dies Darstellung schon so stark uebertrieben ist, dass sie mit der Wirklichkeit nur noch sehr wenig gemein hat.